Ein Gastkommentar von +Marc Jacobs von www.ramoth.de
So als Neu-Socialnetworker mit dem sehr begrenzten Horizont g+ möchte ich hier mal ein paar womöglich verquere Gedanken zu Papier bzw. zu Pixel bringen…
Unsere Politiker, allen voran Frank-Walter Steinmeier, haben offenbar zum Teil erkannt, dass man über soziale Netzwerke wie g+ Bürger erreichen kann. So weit, so gut. Problematisch ist nur der ungewohnte Ansatz, dass diese neuen Plattformen doch tatsächlich auf bi-direktionale Kommunikation ausgelegt sind. Das kann doch von einem Politiker niemand wirklich erwarten… wenn man schon 99% des Tages mit Reisen und Reden verbringt, dann bleibt ja auch nur noch 1% um entweder mal zuzuhören oder eben aufs Klo zu gehen… und da ist letzteres verständlicherweise wichtiger..Das größte Problem wird wohl sein, dass die Profile der Politiker auf diesen Plattformen prinzipiell nicht selbst, sondern durch dritte betreut werden… und so kann prinzipiell unter dem Namen des Politikers keine Diskussion geführt werden, da unter dem ehrenwerten Namen natürlich nur streng kontrolliertes Material veröffentlicht werden darf… also Pressemitteilungen… ausgelegt auf Simplexkommunikation… die daraus entstehenden Diskussionen unter den Lesern sind nett, aber kein Muß, im Falle von Kontroversität gar unerwünscht und störend…
Schön, dass auf g+, fb und Co da vorgesorgt wurde und gleich Lösch- und Blockierfunktionen für das eigene Profil integriert sind… so mag manch ein Betreuer solcher Politikerprofile wohl denken… und kurzerhand unschöne Kommentare löschen oder permanent kritische Profilgäste komplett blocken… beim Fernsehen kann man sich ja auch aussuchen, welches Programm man schaut und im Zweifelsfall auf Stumm schalten oder wegzappen.
Was die Damen und Herren aber leider übersehen, ist die soziale Komponente… beim Fernsehen bekommt der Sender kein direktes Feedback, wenn ich bei Barbara Salesch wegzappe, merkt Frau Salesch davon exakt: nix! Schalte ich Herrn Gottschalk stumm… ist ihm das völlig egal… er redet weiter, hören ja genug andere zu…
Anders bei g+ & Co…hier müssen manche Leute den Umgang noch lernen… schalte ich bei g+ jemanden stumm, dann gilt das einem Individuum, womöglich einem aufrichtig interessierten Individuum. Blocke ich jemanden, so beziehe ich das gezielt auf eine Person, nicht auf eine Nachricht oder eine Meinung… blocke ich gar ohne vorherige Kontaktaufnahme, Warnung o.ä., lasse ich dem geblockten also nicht mal die Möglichkeit zur Stellungnahme, dann verkehre ich den Sinn des sozialen Netzwerks ins Asoziale, unterbinde die Entwicklung guter Kommunikation und schädige mein Gegenüber…
Wer von uns würde im realen Leben zur öffentlichen Diskussionsrunde einladen, und dann nach 10 Minuten den ersten Gästen mit Tape den Mund zukleben bzw. andere einfach aus der Diskussion entfernen?
Machts Euch klar… im Sozialen Netz schalten wir mit dem Block-Button nicht ein Teil eines Computerprogramms stumm, sondern einen realen, existierenden Menschen. Einen Menschen mit Gefühlen, mit Gestaltungswillen, mit einer Botschaft… und – wenn unbedacht eingesetzt – verletzen wir diesen Menschen nachhaltig, vergrößern mit dem Block-Button die Traurigkeit und Frustration in dieser Welt….
siehe auch www.waschtrommler.org
just my 2 cents…
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Der gepflegte Rant am Abend von Daniel Glass
Artikel optimal aufbereiten – Bilder optimal bereitstellen, meinen Arsch in Googleoptimierte Form pressen.
SEO-Spezialisten: Ihr ärgert mich.
Suchmaschinene suchen Content. Diese zu finden ist Aufgabe der Suchmaschinen. Ich mache Content. Und zwar wie ich will. Die Suchnmaschine soll meinem Content folgen. Nicht umgekehrt.
Substanz wird gefunden. Stumpfsinn auch.
Ich will aber, dass es die Substanz ist die zählt, und nicht die hohle gescheiterte BWLer Birne, die mit irgendwelchen Techniktricks Müll populärer macht.
Diese Weltsicht, nach der das ganze Netz ein Wettbewerb ist, was bei Google oben steht, und am Rande des Beckens stehen die SEO-Schwachmaten und ejakulieren inhaltlseere Phrasen und gestohlene Algorithmen in unser Becken, weil sie sonst nichts substanzielles hervorbringen können, kotzt mich an.
Genau wie die Banker, die eine Idee von nichts teuer verkaufen, sind SEO-Spezialisten Phrasendrescher, und Blasenverkäufer, die dir versprechen, auch Minderwertiges gut aussehen zu lassen, weil sie dafür die richtigen Tricks drauf haben. Das ist unredlich, unkreativ, und übelkeitserregend.
Haltet die Fresse, ihr unkreativen unproduktiven, unoriginellen Nichtskönner.
Ihr seid Randnotizen einer technischen Entwicklung, aufgeblähte Zwirnvorführer mit Durchblicker-Allüren aber ohne jede substanzielle Deckung eures geistesschwachen Werkes.
So viel dazu.
Und wer sich jetzt übel beschimpft fühlt – Nichts für ungut. Lerne einen schönen Beruf. Texte. Produziere etwas. Gestalte. Programmiere Dinge. Forme Substanz – und bald kommst du von diesem fiesen SEO Zeug als Selbstzweck los. Ganz bestimmt.
*
( Fiel mir gerade ein, weil einer ganz begeistert berichtete, wie man Bilder suchmaschinenfreundlich aufbereitet…)
]]>Allerdings werden durch diese Buttons schon beim Laden der Seite – also ganz ohne dass der User etwas dazu tut – Daten an die Betreiber der Netzwerkplattformen übertragen.
Die enthalten neben der URL der aktuellen Seite unter anderem eine Kennung, die zumindest bei dort angemeldeten Nutzern direkt mit einer Person verknüpft ist. Facebook & Co können also komplette Surfprofile ihrer Nutzer erstellen.
Da wir eine andere Vorstellungen von Datenschutz und Privatsphäre haben benutzen wir ab heute eine zweistufige Lösung , die nur mit Zustimmung der Anwender Daten übermittelt. Auch die bei uns eingesetzte Webanalyse-Software basiert auf der datenschutzfreundlichen Lösung PIWIK
Standardmäßig überträgt dieser Button keine Daten an Dritte. Das Konzept ist einfach. Standardmäßig betten wir deaktivierte Buttons ein, die keinen Kontakt mit den Servern von Facebook & Co herstellen.
Erst wenn der User diese aktiviert und damit seine Zustimmung zur Kommunikation mit Facebook, Google oder Twitter erklärt, werden die Buttons aktiv und stellen die Verbindung her.
Dann kann der User mit einem zweiten Klick seine Empfehlung übermitteln. Ist er beim sozialen Netz seiner Wahl bereits angemeldet, erfolgt das bei Facebook und Google+ ohne ein weiteres Fenster. Bei Twitter erscheint ein Popup-Fenster, in dem man den Text des Tweets noch bearbeiten kann.
Alle Buttons lassen sich auch dauerhaft aktivieren.
Wem die Übertragung der Daten egal und die Bequemlichkeit wichtiger ist, der kann den Button des von ihm regelmäßig genutzten sozialen Netzwerks dauerhaft aktivieren. [Quelle: heise, c't]
Das WordPress-Plugin von H.-Peter Pfeufer das zu Einsatz kommt, benutzt die original Lösung von heise
]]>Ich will nicht, dass Ebay mir schreibt “Daniel Glass, das passt zu Ihnen
Ja, ihr Neunmalklugen, die sich jetzt den Hinweis nicht verkneifen können: “Dann bestell doch die E-Mail-Benachrichtigung ab” – Hab ich gerade gemacht.
Trotzdem empfinde ich es als Affront gegen meine Integrität als frei denkendes Individuum, wenn irgendein Krämerladen die Stirn hat, mir gegenüber ungefragt irgendwelche Ladenhüter als “zu mir passend” zu attributieren.
Es wird nicht gefragt: “Könnte das zu Ihnen passen?”, es wird nicht gefragt “gefällt Ihnen das?” – nein, es wird einfach festgestellt und unterstellt, ohne mich irgendwas zu fragen, oder als Option an zu bieten.
Die Haltung des Käufers ist irrelevant – es reicht die halbgare Analyse meiner Netzbewegungen um Tatsachen zu schaffen, die mir mitgeteilt werden.
Dass Werbung jegliches Feingefühl , Respekt und Anstand vermissen lässt, weil Gebrauchswerber im allgemeinen selbstzufriedene, hohlköpfige Honks sind, ist ja nicht neu.
Dass die Zielsetzung eines Analyse-Algorithmus ist, aus meinen Käufen und Klicks ein Interessenprofil zu generieren, ist auch nicht neu – und bestenfalls nützlich für alle Beteiligten.
Dass diese Zielsetzung aber dann 1:1 von irgendeiner stumpfsinnigen Verkaufskanone völlig unreflektiert in eine anmaßende, aufdringliche Unterstellung getextet und als Spam in den Mailverteiler gedrückt wird, empfinde ich als ärgerlichen Tiefpunkt netzbewegungsrelevanter Marketingkonzepte.
Und um die Woche gleich fröhlich zu beginnen,
lautet mein herzlicher Apell an Ebay daher:
“Fickt euch, ihr Ärsche!”
Klar, es gibt Wichtigeres. Trotzdem ärgerlich.
Macht mich diese Haltung schon zu einem Sonderling?
So also fassen wir zusammen: Jeder muss die Grenzen seiner Privacy selbst definieren. Ein Gemeinwesen muss sich Grenzen geben, um seine Struktur zu schützen. Unsere Struktur basiert auf dem Ich, also muss das geschützt werden. Die selbst definierte Privacy ist jedoch kein Selbstzweck und findet ihre Grenzen in der Sittlichkeit, also der sozialen Freiheit.
]]>Google+ plagt sich jetzt seit Wochen mit der Klarnamen/Pseudonym/Anonoymitäts (das mir keiner die Begriffe hier verwechselst) Debatte herum. Dabei könnte es so einfach sein!
Nun im Gegensatz zu dem ein oder anderen geneigten Leser bzw. Leserin bin ich seit 2003 Mitglied eines sozialen Netzwerks das diese Probleme bereits gelöst hat. Es nennt sich Gayromeo. Kennt Ihr nicht, eine gute Einführung gibt es hier Gayromeo bei Wikipedia (Empfehle ich zuerst zu lesen ansonsten verstehen Sie den Rest nicht)
Es stellte sich dem Portal irgendwann die Frage was tun mit expliziten Bildern, Porno, Fakern. Die Antwort darauf ist eben so simpel wie wirksam: Schwarm-Intelligentz und Community Reputation.
Wenn ich ein Bild in mein Profil bei GR hochlade kann ich mich entscheiden ob ein Administrator oder der User (Schwarm) das bild “raten” sollen. Zugelassen zu diesem Schwarm sind allerdings nur User mit mindestens 1000 s.g. Userpunkten. Diese ergeben sich aus der wahrscheinlichen “Echtheit” des Profils und meinen abgegeben Stimmen zu Bildern. Meint, wenn 5 von 10 User ein Bild als Porno oder XXX einstufen und ich nicht verliere ich Punkte.
Die “Echtheit” Meines Profils speist sich aus meinen Kontakten, die angeben können, schon mal gesehen oder…was auch immer
Und so dreht sich das Rad.
Es ist eine ganz einfache Community Lösung, so lange man die User als Menschen und nicht nur als Konsument bzw. Daten betrachtet. Ich Brauche keine Google Algorithmen, ich brauche nur gesunden Menschenverstand um das Problem zu lösen!
Also, wer möchte: Hier ist unser Link http://palibe.de/p6Hhtj
Und hier sind noch mehr Links von noch mehr netten G+ Usern – DANKE! Ihr seid Großartig!
Robert Niedermeier - https://plus.google.com/_/notifications/ngemlink?path=%2F%3Fgpinv%3DyQRGgAX85lI%3ABA06QmbEieI
Esther Allen -https://plus.google.com/_/notifications/ngemlink?path=%2F%3Fgpinv%3Dz49CCOQ-GAk%3Anz0RO7ItH-8
Patrick Muff – https://plus.google.com/_/notifications/ngemlink?p
borg drone - https://plus.google.com/_/notifications/ngemlink?path=%2F%3Fgpinv%3DOKygQ7QWcbM%3Az5rJAOd9cdQ
Florian Hiemeyer -https://plus.google.com/_/notifications/ngemlink?path=%2F%3Fgpinv%3Dj1bmYVyVczU%3AMhvsPzEGh7I
David Paschke - https://plus.google.com/_/notifications/ngemlink?path=%2F%3Fgpinv%3DXK0zZgwoak8%3A4ZtNrETmCJ0
Andi Weiland - https://plus.google.com/_/notifications/ngemlink?path=%2F%3Fgpinv%3D2Aklp65A1eM%3AQcQA2KM4a84
Finn Grauwal -https://plus.google.com/_/notifications/ngemlink?path=%2F%3Fgpinv%3DfDkrMRhec44%3AvSxFkBya3Jo
Ti Leo - Dhttps://plus.google.com/_/notifications/ngemlink?path=%2F%3Fgpinv%3DnItGlMqyzMo%3AFPh3eA5bWfs
Daniel Albrecht -https://plus.google.com/_/notifications/ngemlink?path=%2F%3Fgpinv%3D6iOyUgPw5IY%3AMTrUQaIKVMA
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Pseudonym
–Substantiv ein fingierter Name, besonders von Künstlern und Schriftstellern genutzt, um eine wahre Identität zu verbergen
Es gibt tausende von Gründen, warum jemand einen anderen Namen benutzen möchte, als seinen Geburtsnamen. Manche Leute haben Sorge, dass ihr Leben oder ihre Existenzgrundlage bedroht werden oder dass ihnen politisch oder ökonomisch Nachteile entstehen. Andere wollen Diskriminierung vermeiden oder einfach einen Namen nehmen, der leichter zu merken oder buchstabieren ist.
Online vervielfachen sich die Gründe für Pseudonymität. Die Kultur des Netzes hat die Menschen lange Zeit ermutigt, sich Nicknames oder Nutzernamen zuzulegen. Das sind Pseudonyme, die manchmal einen Bezug und manchmal keinen Bezug zur echten Person und der Offline-Identität hatten. Langjährige Internetnutzer haben teilweise dieselben Nicknames seit 20 Jahren.
Pseudonyme haben außerdem in der Geschichte eine wichtige Rolle gespielt. Nicht nur in der Literatur von George Eliot und Mark Twain. Explizit politisch wurde zum Beispiel das Pseudonym „Publius“ genutzt, um in den Federalist Papers (einer Artikelserie in New Yorker Zeitungen), die Bevölkerung von der amerikanischen Verfassung zu überzeugen. Und auch im England des 18. Jahrhunderts griff ein „Junius“ im Public Advertiser in die politische Debatte ein. Die Menschen haben also schon immer unter Pseudonymen stark zum politischen Diskurs beigetragen – und sie tun es heute noch.
Eine neue Debatte rund um Pseudonymität auf Online-Plattformen ist nun durch Googles Namens-Policy bei Google+ entstanden, die den User verpflichtet sich mit dem Namen zu identifizieren, den „deine Freunde, deine Familie und Arbeitskollegen“ für dich verwenden. Diese Praxis ist ähnlich zu der von Facebook, den den Nutzer verpflichtet „Echtnamen und echte Informationen“ zu benutzen.
Googles Policy hat in kurzer Zeit sowohl innerhalb der Community wie auch außerhalb für rege Diskussionen gesorgt, ob ein Social Network die Möglichkeiten der Identitätswahl begrenzen solle. Einer großen Anzahl von Google+ Nutzern wurde aufgrund dieser Policy bislang der Account deaktiviert. Diese sind von Kirrily „Skud“ Robert, einem früheren Google-Mitarbeiter, dessen Account betroffen ist, weil er sich als „Skud“ anmeldete, detailliert dokumentiert.
Diejenigen, die für Realnamen in Social Networks plädieren, haben eine Reihe von Argumenten hervorgebracht: Echtnamen würden das Nutzerverhalten verbessern und ein zivileres Netz fördern, Klarnamen würden gegen Stalking und Belästigung helfen und die Täter einfacher greifbar machen, außerdem würde die Nutzung derselben davor schützen, dass Strafverfolger oder Behörden unter falschem Namen schnüffeln könnten; und überhaupt mache der echte Name die Menschen verantwortlich für ihre Aktionen im Netz.
Diese Argumente sind nicht ganz von der Hand zu weisen, aber sie treffen nicht den Kern des Problems. Denn die strikten Klarnamen-Verfechter müssen nicht zeigen, dass das Bestehen auf der Nutzung von Realnamen, einen Vorteil hat. Im Gegenteil: Sie müssen zeigen, dass diese Vorteile gegenüber den ernsten und großen Nachteilen überwiegen.
Denken wir zum Beispiel an Wael Ghonim, den nun bekannten Ägypter, dessenFacebookseite „We are all Khaled Said“, tausende Menschen inspiriert hat, die Revolte im Januar zu unterstützen. Obwohl die Seite erst im Sommer 2010 ins Netz gestellte wurde – kurz nach dem Tod von Khaled Said durch die Hände der Polizei – entwickelte sie richtig Schwung Ende des Jahres 2010. Doch genau im November 2010 wurde die Seite von Facebook offline genommen, nachdem jemand dort gemeldet hatte, dass der Administrator der Seite ein Pseudonym benutze. Nur durch die guten Beziehungen des Google-Mitarbeiters Wael Ghonim und die Möglichkeit, Kontakt zu Facebookmitarbeiter aufzunehmen, gelang es, die Seite wieder online zu bekommen. Der Trick war, dass jemand anderes mit seinem Echtnamen als Administrator der Seite eingetragen wurde.
Dieser Fall ist eher außergewöhnlich: nicht jeder hat so gute Beziehungen wie Wael Ghonom und kann diese nutzen. Wir wissen nicht, wie viele Leute und ihre Seiten durch die Facebook-Policy in Vergessenheit geraten sind, weil sie nicht wussten, wie sie mit einer Account-Deaktivierung umgehen sollten. In Ghonims Fall hätte die Nutzung seines echten Namens ihn in ernsthafte Schwierigkeiten bringen können. Zwar bringt Pseudonymität keine Garantien mit sich, aber es macht es für Behörden deutlich schwieriger, Aktivisten zu identifizieren.
Es gibt also unzählige Gründe, warum ein Mensch sich sicherer fühlt, wenn er sich unter unter einem anderen Namen als dem Geburtsnamen anmeldet. Teenager, die Mitglieder der LGBT Community sind, werden zum Beispiel regelmäßig Ziel von Belästigungen und Schikanen. Sie ziehen es deshalb vor, unter einem Pseudonym online zu sein. Ähnlich geht es Menschen, deren (Ehe-)Partner z.B. bei der Regierung arbeiten oder Personen des öffentlichen Lebens sind. Sie möchten ihr Leben und ihren Lebensstil weiterleben und fühlen sich wohler, wenn sie das mit einem anderen Namen online tun können ohne direkt identifiziert zu werden. Ein weiteres Beispiel sind Opfer von häuslicher Gewalt und Vergewaltigung, die nicht vom Täter wiedergefunden werden wollen. Sie können sich mit einem alternativen Namen, einem Pseudonym, besser schützen. Und alle Menschen mit unpopulären, abweichenden und dissenten politischen Haltungen haben die Möglichkeit, ihr Leben und ihre Existenzgrundlage zu schützen, indem sie sich eben mit einem Pseudonym anmelden.
Der Supreme Court der USA drückte es im Fall McIntyre v. Ohio Elections Comm’n 514 U.S. 334, 357 (1995) so aus:
Anomymität ist ein Schutzschild gegen die Tyrannei der Mehrheit. Sie veranschaulicht den Sinn des Bill of Rights, und das erste Amendment im Speziellen: unpopuläre/unbeliebte Personen vor Vergeltung zu schützen, ihre Ideen vor Unterdrückung zu schützen und vor der Hand einer intoleranten Gesellschaft. Das Recht anonym zu bleiben, darf nur dann verletzt werden, wenn es betrügerisches Verhalten schützt. Aber die politische Rede hat von ihrer Natur her manchmal unangenehme Konsequenzen, und im Allgemeinen räumt unsere Gesellschaft dem Wert der freien Rede größeres Gewicht als der Gefahr ihres Missbrauchs ein.
So wie der Gebrauch von echten Namen echte Konsequenzen haben kann, so kann die verpflichtende Nutzung derselben, jeden von der Kommunikation ausschließen, der Vergeltung oder Nachteile für seine (abweichenden) Ansichten fürchten muss. Während ein Vorteil der Klarnamenpflicht vielleicht ein zivileres Verhalten im Netz sein könnte, so ist sicher, dass die Klarnamenpflicht auf Kosten der Meinungsvielfalt geht.
Die Blogger/innen von Geek Feminism haben in einem Wiki eine lange Liste von Menschen und Gruppen und potenziellen Gefahren für diese durch eine Klarnamenpflicht erstellt. Viele der Gründe auf dieser Liste plädieren für die Nutzung eines Pseudonyms aus Sicherheitsgründen, aber es gibt auch andere wichtige Gründe, warum jemand ein Pseudonym nutzen will.
Nehmen wir das Beispiel von Michael Anti, dem chinesischen Journalisten, der eigentlich Jing Zhao heißt. Anti wurde im Januar 2011 von Facebook geworfen, vermutlich weil jemand dort meldete, dass er einen anderen Namen als seinen Geburtsnamen nutzte. Obwohl er unter dem Pseudonym „Michael Anti“ schon seit zehn Jahren unter anderem in der New York Times publizierte, bestand Facebook auf der strikten Einhaltung seiner Realname-Policy.
Auf Google+ gibt es mittlerweile ähnliche Beispiele; und „False Positives“ haben mittlerweile Google+ dazu bewegt, den Prozess der Deaktivierung geringfügig zu überarbeiten: statt direkt zu deaktivieren, werden die User nun gewarnt und aufgefordert ihren echten Namen einzutragen.
Trotzdem sind diese Strategien, die Echtnamen erfordern, fast unmöglich komplett umzusetzen, und wie verschiedene Beispiele gezeigt haben, führt die Durchsetzung dazu, dass gerade Menschen, die bekannt sind oder viele Feinde haben – das ist im Übrigen ein Ergebnis des Community Reportings – in den Fokus solcher Maßnahmen geraten.
Es ist natürlich das Recht von Firmen wie Google, Facebook oder wem auch immer, Strategien und Grundsätze zu entwickeln, von denen sie denken, dass sie besser zu ihren Services passen. Aber es ist kurzsichtig von diesen Firmen, zu sagen, dass die Echtnamen-Pflicht zu einem zivileren Netz führe, wenn der Preis dafür Vielfalt und Meinungsfreiheit sind. Denn in der Tat hat die Echtnamen-Pflicht nur eine ernüchternde Wirkung (chilling effect) auf die freie Rede und die Meinungsfreiheit im Netz.
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Die aktuelle Diskussion um echte Namen auf Google+ polarisiert: Während die einen sich zu tiefst besorgt zeigen, sparen andere für die Befürworter von Pseudonymen nicht mit Spott und Hohn. Wer hat denn schon was zu verbergen?
Während sich die Fronten zwischen Anhängern von Klarnamen und Befürwortern von Pseudonymen in mitunter polemisch geprägten Diskussionen verhärten, scheinen Dritt-Seiten bereits jetzt mit Hilfe von Bots nach persönlichen Daten zu wühlen, um sich ihre eigenen Datenbanken aufzubauen…
[weiterlesen bei iKim.at]
]]>Nach einigen Tagen ist die Diskussion um die Klarnamen-Pflicht bei Google-Plus aus den USA auch nach Deutschland herübergeschwappt und es hat auch hier einige recht harte Diskussionen gegeben. Vor allem auf Google+ (Siehe hier und hier, sowie den provokanten Post von plomlomplom. Das englische Original steht hier.) In diesen Diskussionen gibt es stets eine mehr oder weniger große Mehrheit von Befürwortern des Pseudonym-Verbots und einige Gegner. Gestern hat zudem der Google-Mitarbeiter Andrew Bunner zu einer regelrechten Hexenjagd auf “Fake Accounts aufgerufen - und dafür teil euphorische Zustimmung in den Kommentaren geerntet.
Ich bin der Ansicht, dass die Befürworter des Verbots zum Einen aufgrund verständlicher Emotionen ihre Ansicht entwickelt haben, das dem aber auch eine Reihe von Falschinformationen und Missverständnissen zugrunde liegen.
Deshalb hier einmal die wichtigsten Fakten, die meines Erachtens gegen ein Verbot von Pseudonymen auf den allermeisten Online-Plattformen sprechen:
Zusätzlich kann ich nur den sehr guten Post von Twitter-Gründer Evan Williams, Five Easy Pieces of Online Identity, empfehlen, sowie Googles eigene (ad absurdum geführte) Policy: The freedom to be who you want to be
Zu den Punkten im Einzelnen:
Wer Wert darauf legt, das digitale Netz zur Kontaktanbahnung in der physischen Realität zu nutzen, wird ja nicht daran gehindert, den Namen aus seinem Perso zu verwenden oder gar Adresse und Telefonnummer zu nennen. Wer die Vernetzung und den Gedankenaustausch aber auf der digitalen Ebene belassen möchte, schädigt doch den sozialen Austausch nicht dadurch, das er ein Pseudonym verwendet und keine physischen Kontaktdaten herausgibt.
Physischen Kontakt benötige ich doch eigentlich nur zum Austausch von Gewalttätigkeiten oder Körperflüssigkeiten. Beides möchte ich mit den meisten Menschen nicht. Er sollte deshalb eine bewusste, freiwillige Entscheidung beider Parteien bleiben, ob ein Zustandekommen physischen Kontakts gefördert wird.
Die Befürworter des Pseudonym-Verbots führen typischerweise Kriminelle (Pädophile, Online-Betrüger, …), psychisch Kranke (Stalker, eifersüchtige Expartner, Trolle) oder Feiglinge (“mit offenem Visier kämpfen”) als einzige mögliche Nutznießer von Pseudonymen an. Das ist eine sehr einschränkte Sicht der Welt.
Es gibt autokratische Staaten, in denen die Identifizierung eines Regimekritikers zur langjährigen Gefängnisstrafen, Folter und Hinrichtung führen kann. Facebook (und Google?) nehmen diesen Kritikern also eine wichtige Veröffentlichungsplattform.
Angehörige von Minderheiten werden auch in angeblich aufgeklärten Staatswesen diskriminiert, wenn sie sich als solche zu erkennen geben. Selbst, wenn keine Strafverfolgung stattfindet, kann es persönlich immer noch große Nachteile haben, wenn man als Angehöriger sexueller Minderheiten – oder in einigen Landstrichen auch nur als LINKE-Wähler – identifiziert wird. Diese Menschen werden durch ein Pseudonym-Verbot von der Online-Diskussion auf den dafür wichtigsten Plattformen (Facebook und in Zukunft Google+) effektiv ausgeschlossen.
Äußert sich ein Angestellter über seinen Arbeitgeber auf eine Weise, die diesem missfällt, sind auch dann, wenn diese Äußerung die Treuepflichten nicht verletzt, berufliche Nachteile mehr als wahrscheinlich.
Frei erfundene Identitäten können übrigens auch harmloses Spiel oder künstlerische Aktivität sein.
Diese Liste lässt sich nahezu beliebig verlängern. Die genannten Fälle mögen 90% der Nutzer nicht betreffen. Aber eines der wichtigsten Prinzipien aufgeklärter Demokratien ist es, auch die Interessen von Minderheiten zu wahren.
Trolle und Stalker sind online ohne Zweifel enorm lästig. Und die Einführung von Facebook Comments hat auf einigen Plattformen zu einem deutlichen Rückgang des Trollings geführt – u.a. weil Kommentatoren nun einen Facebook Account (meist mit Klarnamen versehen) benötigten und tatsächlich nicht mit ihrem Namen für ihre Pöbeleien stehen wollten. Das empfanden viele Nutzer als angenehm.
Es gibt aber nach wie vor Trolle und Stalker auch auf diesen Plattformen. Tatsächlich wächst ihre Zahl meines Erachtens wieder an. Wie kann das sein? Dafür gibt es mehrere Gründe:
Weder Facebook noch Google+ überprüfen wirklich die Identität eines Nutzers bei der Anmeldung. Ein Name mit nicht mit dem im Personalausweis übereinstimmen. Er darf nur nicht auf den ersten Blick als Fake erkennbar sein. Also kann ich mir als begeisterter Troll jederzeit einen Trolling-Account zulegen und herumtrollen, ohne, dass jemand meine Adresse oder Telefonnummer herausfinden kann. Selbst, wenn dieser gesperrt wird, kostet es mich bei Google ca. 2 – 3 Minuten, einen neuen anzulegen.
Was genau man als Trolling bezeichnet, ist zudem höchst subjektiv. Nicht jede Ansicht, die mir missfällt, ist reine Pöbelei – auch nicht, wenn sie in rüdem Tonfall vorgetragen wird. Moderne Plattformen – wie zum Beispiel Google+ – haben zudem eine Mute-Funktion. Ich kann damit die Äußerungen eines Menschen, der mich ständig nervt, einfach komplett ausblenden. Das ist auch subjektiv. Aber es ist eine viel mildere, fairere Methode, meinen Blutdruck zu senden, als darauf hinzuarbeiten, dass der missliebige Mensch von einer Kommunikationsplattform verbannt wird.
Kaum jemand würde von jemandem, den er/sie in einer Bar oder auf einem Sportplatz trifft, verlangen, dass der/die einem den Ausweis zeigt, um sicher zu stellen, dass der “reale” Name offenbart wird. Wenn mir jemand sagt, er heiße “Hans Bauer”, name ich das zur Kenntnis und nennen ihn “Hans”, “Hansi” oder “Herr Bauer”.
Wenn ich mit Herrn Bauer Geschäfte mache, ist das etwas Anderes. Dann möchte ich Anschrift und Namen schon kennen, insbesondere, sobald es um größere Summen geht. Aber für Gespräche, ein gemeinsames Bier oder auch tiefschürfende Diskussionen, kann ich keinen Grund erkennen, den Namen im Personalausweis meines Gegenübers kennen zu müssen. Viel besser wäre ein granularer Ansatz, wie z.B. in dem Artikel The Laws of Identity von Kim Cameron beschrieben wird.
Auch in Zeitungen kann ich Leserbriefe abdrucken lassen, ohne dabei meinen Namen nennen zu müssen. Die Redaktion kennt den Namen. Aber sie wird ihn geheimhalten, so lange es nicht um den Schutz von Straftaten geht. Und das ist gut so.
Ein Impressum benötigt der Betreiber der Plattform, nicht der Nutzer. Ansonsten wäre Zehntausende von Blogs, Diskussionsforen etc. illegal. Das mag nicht jedem gefallen, ist aber glücklicherweise Stand der Rechtsauslegung (und -Sprechung) in unserem und in den meisten anderen demokratisch verfassten Ländern.
NACHTRAG (Danke an Falk Lüke):
Telemediengesetz (§13):
(6) Der Diensteanbieter hat die Nutzung von Telemedien und ihre Bezahlung anonym oder unter Pseudonym zu ermöglichen, soweit dies technisch möglich und zumutbar ist. Der Nutzer ist über diese Möglichkeit zu informieren.
Nein, dass muss die Strafverfolgung nicht behindern; siehe:
Ich denke, dass es wichtig ist, dass zunächst einmal jeder – auch öffentlich – sagen darf, was er denkt – auch, wenn mir nicht gefällt, was er sagt. Dabei gibt es natürlich gesetzliche Grenzen einzuhalten. Bei uns sind die weitaus enger gezogen, als beispielsweise in den USA. In Großbritannien sind einige Grenzen widerum enger als bei uns.
Unabhängig von solchen Unterschieden … Verhindern Pseudonyme nicht die Verfolgung solcher Grenzübertretungen? Nein.
Auch schon heute müssen die Plattformbetreiber – innerhalb gesetzlich gesetzter Grenzen – die Strafverfolgungsbehörden dabei unterstützen, die Identität von Personen festzustellen, bei denen der Verdacht auf strafbare Handlungen unter Zuhilfenahme der jeweiligen Plattform besteht. Eine angebliche “Klarnamen”-Pflicht hilft dabei wenig, da kaum eine Plattform eine Verifizierung von Name und/oder Adresse mittels Verfahren wie PostIdent o.ä. vornimmt.
Ich weiß es nicht und – ehrlich gesagt – halte ich die offiziellen Verlautbarungen beider Plattformen zu diesem Thema für großartige Beispiele von nichtssagendem Neusprech. Bei Google beschränken sich die Begründungen aktuell auf den putzigen Zirkelschlass: “Weil es so in unseren Richtlinien steht” Vermutlich sind es primär wirtschaftliche Gründe, obwohl ich auch das das Gefühl habe, dass sich die Unternehmen täuschen könnten. Jemand, der viel Aufwand in eine Phantasie-Identität steckt, ist vermutlich auch ein dankbares Werbeopfer für diese Identität ![]()
Was bei Google+ besonders schmerzlich ins Gewicht fällt, ist, dass das Unternehmen noch vor kurzem ein sehr gut durchdachtes Statement zum Thema Online-Identität veröffentlicht hat.
The freedom to be who you want to be…
p.s.: Ich selbst bin seit mehr als 10 Jahren in Dutzenden von Online-Netzwerken unterwegs und wo immer möglich, heiße ich “Markus Breuer”, “Markus.Breuer” oder “MarkusBreuer”. Ich trete Online mit der selben anstrengenden Persönlichkeit nach außen wie in der Offline-Welt. In der virtuellen Welt Second Life habe ich die Avatar-namen Pham Neutra und Dana Bergson verwendet, habe aber meinen Namen Markus Breuer im Profil genannt. Aber ich kann keinen triftigen Grund erkennen, warum ich alle anderen, mit denen ich kommuniziere, dazu zwingen sollte, das ähnlich zu halten.
CC hier, Originalbeitrag bei Google+
Ebenfalls sehr lesenswert, ich kann nicht glauben das ich das schreibe: Zur Realnamendiskussion auf Google+ von Sascha Lobo. Außerdem im Blog der Text von xsized zum Thema Zur Realnamendiskussion auf Google+
Lieber Herr Google, Dear Mr. Google (engl. Translation below)
ich freue mich Ihnen mitteilen zu können, dass mir ihr neues Produkt Google+ bisher sehr gut gefällt.
Natürlich ist mir klar, wie einem Großteil der restlichen erlauchten Beta-User, Google+ ist eine de facto – Closed Beta! Wobei, so closed war sie ja nicht, es gab ja immer “Hintertürchen” um doch einzuladen…Das hatten Sie leider übersehen (Ein Schelm der Böses dabei denkt)
Natürlich bin ich wie viel andere Beta-User bereit über noch vorhandene Schwächen, Stolperer, Rüplser von Google+ generös hinwegzusehen. U.a.
-Hänger und delays bei Hangout
-Differenzen in der Anzeige der Userzahl zw. Circels und Profil
-Eine monströs große Android-App die ordentlich Saft aus dem Akku zieht
-Eine unausgegorene, da nicht stringente Implementierung der restlichen Google Dienste
Ich gebe Ihnen, lieber Hr. Google gerne noch ausreichend Zeit die Kinderkrankheiten nach und nach zu beseitigen.
Dasselbe Entgegenkommen erwarte ich aber auch von Ihnen.
Es kann nämlich durchaus sein, das nicht jeder neue Google+User (in der grenzenlosen Euphorie) Ihre AGB bzw. Nutzungsbedingungen vollständig durchgelesen hat. Dazu kommt, viele von uns sind seit Jahren im Netz unter einem Pseudonym aufgetreten, bekannt geworden, bei Twitter, Facebook oder im eigenen Blog (jaja, das Wort Stringenz war noch nie so ihres?)
Natürlich melden sich viele dieser User auch hier mit o.g. Pseudonym an. Diese Profile, ohne Vorankündigung (ich nehme an automatisiert?) zu sperren oder zu löschen finde ich, zumindest, fragwürdig und erinnert mich im Umgang mit den Usern und deren Bedürfnissen an ein anderes großes soziales Netzwerk.
Außerdem erschließt sich mir kein Unterschied zwischen: Ich (Stefan B.) melde mich hier z.B. als Lieschen Mueller an und darf rein bzw. drinbleiben und als palisadesberlin fliege ich raus ?
Bitte überdenken Sie diese “Politik”. Sie haben sich schon mit Buzz und Wave zweimal “in beide Knie geschossen” es wäre schade wenn das hier wieder passiert
Ihr
palisadesberlin
(gezwungenermaßen Stefan Baumgartl)
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En
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* Here is my open letter to Google Google + *
Dear Mr. Google
I am pleased to announce that their new product Google + me very much so far.
Of course, I realize how much of the rest of the illustrious beta users, Google + is a de facto – Closed Beta! Taking, so it was not closed, there was always “back door” but to invite you … It had unfortunately overlooked (One of prankster thinks evil of it)
Of course I am like thousands of other beta users willing than remaining weaknesses, stumblers, Rüplser Google + generous overlook. E.g.
Hanger and delays at Hangout
Differences in the display of the number of users and between Circel Profile
A monstrously large-Android app that neatly draws juice from the battery
-A half-baked, as not stringent implementation of the remaining Google services
I give you, dear Mr.. Google still like enough time to eliminate the teething problems one by one.
I expect the same courtesy from you as well.
It can actually be quite that does not have any new Google + users (in the boundless euphoria) your conditions and terms of use (which you offer, unfortunately, only in English) by completely read. In addition, many of us have been in years Netzt occurred under a pseudonym, became known on Twitter, Facebook or your own blog (yes, the word rigor has never been theirs?)
Of course many of these users log on again with the above Pseudonym. These profiles, * * without notice (I assume automated?) To block or delete, I think, at least, questionable, and reminds me in dealing with users and their needs at another large social network.
Furthermore, no difference between opening up to me: I (Stephen B.) sign up here for example as Lizzie Mueller and must stay inside and clean and as palisadesberlin I fly out?
Please reconsider this “policy”. You have already twice with Buzz and Wave “shot in both knees,” it would be a shame if this happens again
Her
palisadesberlin
(Stefan forced Baumgartl)
Letzte Woche fragte mich @lao_tse via Twitter ob der Beitrag Der König ist tot – lang lebe der König, den Er in Seinem Blog veröffentlicht hat, interessant für einen Crosspost wäre? Das war und ist er!
Wie @lao_tse in diesem zweiten Artikel beschreibt, ist dann einiges “ins Rollen” gekommen. Das kann man u.a. an den Kommentaren in seinem Blog deutlich sehen.
Auch +Gunter Dueck und +Sascha Lobo haben reagiert. Wir haben uns dazu gestern, zumindest mit Gunter Dueck, bei Google+ “unterhalten”. Haben sehr unkompliziert und schnell Antworten auf unsere Fragen bekommen, wollen es aber G. Dueck überlassen darauf “öffentlich” zu reagieren – aus Gründen! Im Rahmen unseres gestrigen Chats hat mich Gunter Dueck noch auf folgendes hingewiesen:
“Ist es schon bekannt, dass alles noch charmant in Reden rübergebrachte in acht Wochen als Buch erscheint? Da steht dann aber echt alles! Ich durfte das damals im April nicht sagen, weil der Titel sonst vielleicht geklaut wird…da sind Verlage sehr vorsichtig..” (G.Dueck bei G+) Gunter Dueck: Professionelle Intelligenz: Worauf es morgen ankommt
Jetzt aber zum neuen Text von @lao_tse, den er palisades-berlin.de freundlicherweise vorab veröffentlichen lässt. Danke!
Ich muss gestehen, dass ich ein wenig überwältigt bin. Dachte ich bis letzte Woche noch, ich könnte hier ganz unbehelligt auf meiner Blogwolke herumlümmeln und gelegentlich kleine Giftpfeile über den Rand werfen, wurde ich von ungeahnter Resonanz und daraus resultierender Erkenntnis heimgesucht: Menschen lesen meinen Blog! Echte Menschen! Und Prominente! Und Trolle.
Früher dachte ich immer, dass diese Gelüste nach fünfzehn Minuten Ruhm, von denen Andy Warhol sprach, nur vom Fernsehen befriedigt werden könnten, aber damit war es wohl spätestens nach Aufkommen der Privatsender vorbei, weil da immer alle was anderes geguckt haben als die fünfzehn Minuten des Nachbarn. Und Ruhm ohne Zuschauer ist eben eine zweifelhafte Sache. Mittlerweile ist Fernsehen ohnehin auf dem Weg, den der Zirkus schon lange hinter sich gelassen hat. (Für alle jungen Leser: Zirkus war eine Tier- und Akrobatikshow in einem zugigen Zelt, in das man seine Kinder mitnahm, um seine eigene nostalgische Wehmut zu bedienen.)
Das Internet bietet im Gegensatz zum Fernsehen wundersame Möglichkeiten, die Resonanz des eigenen Tuns zu beobachten. So weiß ich zum Beispiel, dass Sascha Lobo meinen letzten Blogeintrag gelesen hat (und noch einen früheren), was ich angesichts der überwältigenden Flut von Geblogtem im Internet, doch überraschend und schmeichelhaft fand. Er hat sich sogar die Zeit genommen, mir seinen von mir heftig kritisierten Standpunkt zu erklären, was ich hochanständig finde. Nur ist es nicht so, als verstünde ich seinen Standpunkt nicht – ich halte ihn lediglich für destruktiv.
Ich bemerke gelegentlich, dass ich von Menschen, sogar von guten Bekannten, angefremdelt werde, wenn ich erkläre, dass wir keinen Fernseher zuhause haben. Die meisten Menschen fürchten dahinter Gutmenschentum (Attila der Gutmensch, die Geißel des 21. Jahrhunderts) und beruhigen sich erst wieder, wenn ich den Fernsehverzicht damit begründe, dass ich mich außerstande sehe, den Konsum zu dosieren und früher häufig von dem Gefühl geplagt wurde, der Fernseher schaue mir mehr zu als ich ihm. Fernsehverzicht aufgrund eigener Schwächen ist okay – Fernsehverzicht aufgrund einer kritischen Haltung zum Fernsehen wird skeptisch beäugt, weil man sich damit von einem vermeintlich wesentlichen Bestandteil des gesellschaftlichen Diskurses entfernt. Dabei weiß ich von gelegentlichen Hotelaufenthalten, dass im Fernsehen zu einem Großteil lediglich Diskursexkremente wiedergekäut werden, während die wenigen Sendungen, die sich bedeutsamen Themen widmen, kaum Resonanz finden.
Das Internet bietet dem Fernsehen gegenüber nicht nur die Möglichkeit zur direkten Resonanzauswertung sondern auch zur Beteiligung am Diskurs. Es ist keine Überheblichkeit gegenüber Offlinern, wenn die Neugestaltung und -ausrichtung unserer Gesellschaft hier stattfindet. Es ist auch kein digitales Herrenmenschentum, wenn wir bemerken, dass neue Technologien und veränderte Formen der Vernetzung und der Kommunikation einen Haufen Berufe überflüssig machen werden. Und es ist keine Verhöhnung unseres Bildungswesens, wenn wir diagnostizieren, dass es unserer Kinder Zeit mit sinnlosen Dingen verplempert, nur weil irgendwelche Leute zu wissen glauben, was die Wirtschaft in zwölf Jahren an Kompetenzen abfragen wird.
Was wir erleben ist nicht die Spaltung unserer Gesellschaft in Onliner und Offliner. Was wir erleben ist das Ringen um Deutungshoheit. Deutlich erkennbar wird dies daran, dass der Gegenseite (in diesem Fall Gunter Dueck) ein falscher Tonfall oder, noch schlimmer, unlautere Absichten unterstellt wenn nicht gar angedichtet werden. Das Problem hierbei ist allerdings, dass die Spaltung der Gesellschaft sich nicht zwischen Off- und Onlinern vollzieht, sondern zwischen den Gewinnern und Verlierern unseres Bildungswesens. Und diese Spaltung steht nicht erst bevor.
Was können wir also tun? Wir können weiter darum ringen, wessen Einschätzung der Sachlage trefflicher ist oder in einem netteren Tonfall vorgetragen wird. Wir können aber auch die Vorteile unserer Vernetzung in die Waagschale werfen und aushandeln, wie sich die Gesellschaft weiterentwickeln soll. Wollen wir das System weiter so gestalten, dass es Gewinner und Verlierer geben muss? Oder wollen wir zumindest die Regeln fairer gestalten? Oder netter zu den Verlierern sein? Wir können diese Diskussion führen, weil wir vernetzt sind, nicht weil wir besser sind als die Offliner. Wir müssen diese Diskussion führen und, ja, wir sollten gelegentlich die Giftpfeile weglassen. Die Sache ist zu wichtig, um sie durch ständiges Verschieben der Diskursarena zu entwerten.
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Es kracht. Es kracht gewaltig! Letztes Wochenende war der erste Bundesparteitag der Piratenpartei Deutschland im Jahre 2011. Es soll das Jahr des neuen Vorstands werden, ein Jahr der produktiven Arbeit, ein Jahr der Entwicklung einer neuen Art der Politik. Zum Bürger hin, von den Bildern der „alten“ Parteien weg. Der letzte Vorstand kam, zumindest in der letzten Legislaturperiode, seinem Amt kaum nach, war oft schlichtweg handlungsunfähig und in sich zerstritten. Es schrie schon früh nach einem Wechsel, den das Gros der Piraten mit dem Bundesparteitag in Heidenheim herbeisehnten.
Lieber Tobias Raff, wir danken Dir!
Eine weitere Meinung findet Ihr hier: Nothing to lose
]]>Hat gedauert (war unser Fehler) aber jetzt ist unser Interview mit @ZDFOnline endlich online. Wir danken Michael und Marco für die Antworten.
Na wie habt Ihr den Medienhype der letzten Tage überstanden?
Gut (-; Es war ja auch eine schöne Erfahrung. Wir haben uns gedacht, dass es bei Twitter Wellen schlagen wird. Dass wir aber mit der Geschichte die Website von Richard zum Zusammenbruch bringen, das dachten wir zu Beginn nicht.
Richard meinte zwar, dass wir wohl die ein oder andere Anfrage für ein Interview bekommen könnten, aber geglaubt haben wir das nicht. Nachdem dann aber die ersten Emails von dpa und Spiegel Online kamen wussten wir, jetzt geht es los. Das schöne war, dass das Feedback auf Twitter zu 99% nur positiv war. Zwischen den vielen Tweets steckten vielleicht 2-3 die nicht ganz so toll waren, aber wir haben sie einmal gelesen und den Inhalt wieder vergessen.
Wir mögen Richard Gutjahr. Wie ist es denn zu der „Enthüllungsstory“ auf der rp11 gekommen. Hat er euch angesprochen? Gab es Vorbereitungen/Geheimhaltung. Ihr macht das ja jetzt schon ein bisschen länger offiziell fürs ZDF
Richtig, offiziell machen wir es seit dem 1.1.2010. Richard hat bei den Kollegin in Mainz angefragt, er wollte ein Interview mit dem Twitter-Team führen. Wir waren ja bereits vor unserer “Enthüllung” auf Twitter keine Unbekannten mehr. Leider kam das geplante Interview auf dem Lerchenberg nicht zustande. Wir hatten dann mit Richard via Twitter Kontakt. Er las, dass wir auf der rp11 sein werden und schrieb uns an, ob wir denn dort das Interview machen könnten. Wir haben uns dann auf der rp11 getroffen, das Interview aufgenommen und ein paar Tage später war es dann auch schon online.
Ihr wart also auf der re:publica11 und hattet im Vorfeld beim call-for-paper eingereicht? Und wurdet abgelehnt…Die Gründe habe ich ja via Twitter mit @netzpolitik und @spreeblick abgeklärt -> Blogpost (http://palisades-berlin.de/2011/04/18/die-gesichter-hinter-dem-twitter-account-von-zdfonline/) Es ist nicht zufällig möglich diese Einreichung bei uns online zu stellen ? Du sagtest zu mir „abgelehnt, weil die Präsentation zu professionell gewesen sei“
Die Gründe finde ich sehr lustig. Ich habe zu der Geschichte von ZDFonline und ZDFneo eine sehr schöne Pressemappe erstellen lassen. Du gehst ja bei der Bewerbung für die rp11 nicht mit einem DIN A4 Schmierzettel ins Rennen. Du willst ja auffallen. Aber es scheint wohl, als müsste man dort nicht wirklich gute Pressemappen/Bewerbungen abgeben, sonst hätten die Jungs von der rp11 meine nicht ignoriert. Die Präsentation möchte ich im Nachhinein nicht mehr online stellen. Das Kapitel ist abgeschlossen. Schauen wir mal, was wir nächstes Jahr machen (-;
War das ZDF in die ganze Aktion mit Gutjahr un der rp11 „eingeweiht“ – böse Stimmen sprechen von einer PR-Nummer?
@palisadesberlin: Unser Interview mit @ZDFOnline endlich online
http://palibe.de/mdMugT @republica @spreeblick @netzpolitik @michaelumlandt
@spreeblick: @Vicki_Lieks @zdfonline @netzpolitik “Abgelehnt, weil zu professionell” ist aber eine Vermutung. Die falsch ist.
@palisadesberlin: @spreeblick Na das ham’ wir doch schon geklärt
http://palibe.de/hHOsgd
@spreeblick: @Vicki_Lieks @zdfonline @netzpolitik Und eine “Pressemappe” habe ich ebenfalls nie gesehen. “Hammer-Story”? Nun ja.
@palisadesberlin: @spreeblick So hat jeder seinen Bick auf die Dinge
Es steht dir frei das im Blog zu kommentieren
@spreeblick: @palisadesberlin Es ist trotzdem Quark, so etwas zu behaupten, um eine “Story” zu konstruieren. Naja, schnuppe.
@spreeblick: @palisadesberlin Schon klar.
@palisadesberlin: @spreeblick w.g. das ist ein Interview das mir die beiden 10 Tage nach der rp11 gegeben haben.
Das erinnert mich doch stark an die erste “Diskussion” zum Thema http://palisades-berlin.de/2011/04/18/die-gesichter-hinter-dem-twitter-account-von-zdfonline/
Wenn man ganz kurzfristig ein Ticket für eine Veranstaltung bekommt, von der man so im Großen und Ganzen eher noch gar nichts mitbekommen hat, außer der Berichterstattung der latent überforderten Endzeitmedien, dass es sich um das Treffen einer Gruppe Verrückter handele, die einmal im Jahr gen Berlin pilgern – so sie denn nicht ohnehin zur Digital Bohème zählen, die dort ja exklusiv ansässig ist – um ihrem Guru zu huldigen, dann sollte man sich besser informieren und sich medial auf ein nicht allzu peinliches Niveau hieven.
Was gehen da bloß für Leute hin und wer ist dieser eigenartige Mann mit der Oberlippenmatte und der befremdlichen Anbiederungsfrisur, den man für den Anführer dieser Leute hält und über den der SPIEGEL so gerne schreibt? Dass der Sascha Lobo genannt werden möchte, habe ich schon mitbekommen, auch, dass er ständig von den Endzeitmedien zu allen möglichen das Internet betreffenden Dingen verhört wird, wohl weil die Medienfröschlein ihn sich wegen seiner markanten Frisur besonders gut merken können. Ich habe einmal ein Interview mit ihm auf Funkhaus Europa gehört, wo er irgendwas über Facebook erzählt hat, im Sinne von, dass es da auch Fake gebe, weswegen das aber trotzdem ein Marketing-Instrument sein könnte, oder so ähnlich. Vielleicht ging’s auch um Ägypten – ich hab nicht richtig zugehört. Aber ich mochte seine Stimme. Die hatte ein recht angenehmes Timbre.
Insgesamt wirkte die Vorstellung, es handle sich bei der re:publica um eine an eine Messe gemahnende religiöse Veranstaltung, nicht plausibel, also begab ich mich auf Recherche und studierte das Programm und die Listen der Redner dieses und vergangener Jahre. Ich war schockiert!
Nicht nur würde es hunderte von Veranstaltungen und noch mehr Redner geben, nein, auch das Feld der Vortragenden und ihrer Themen hatte in Breite wie Tiefe Panikpotential. Wie sollte ich eine Schneise der Erkenntnis in dieses Informationsdickicht schlagen? Wie würde es den Veranstaltern gelingen, einen Bogen von Design Thinking über klitoralen Aktivismus im Netz bis hin zu Pony-Pornos zu spannen? Wie passte dies in eine Reihe mit Vorträgen zur Beschaffenheit der Heavy User (Internet) von Peter Kruse aus dem letzten Jahr? Und wo war der spirituelle rote Faden, der derartigen Synoden üblicherweise innewohnt?
Um diesem Geheimnis auf den Grund gehen zu können, würde ich um keinen Preis als Nicht-Initiierter auffallen dürfen. Erster Schritt war für mich also, meinen Twitter-Account zu reaktivieren, der dann doch schon seit zweieinhalb Jahren darauf wartete, dass ich meinen dritten Tweet verfasse, und dann vielleicht noch einen vierten usw. Umso erstaunter war ich, dass es den überhaut noch gab und ich mich sogar noch an das Kennwort erinnerte. Womöglich eine Fügung des Schicksals? Natürlich würde mich meine magere Statistik sofort als nicht Tweet-affines Gesindel entlarven, aber vielleicht würde einfach niemand draufschauen.
Zweiter Schritt: Wecker auf 4:00 Uhr stellen, zweiten Wecker daneben legen und darauf hoffen, dass ich den Zug um 5:06 Uhr gen Berlin erwischen würde.
Dritter Schritt: Augen zu!
Im Nordwesten der Republik dämmert ein wunderschöner Tag heran, in Berlin begrüßt mich grauer Regen, der den Schmutz auf den Straßen gerechter zu verteilen sucht, wie es sich für eine Hauptstadt gehört. Gewaltige Schlangen bei der Akkreditierung im Friedrichsstadtpalast, das WLAN ebenso hoffnungslos überbucht wie UMTS, Namensschilder müssen noch per Stift (!) um das Twitter-Pseudonym ergänzt werden – die digitale Gesellschaft schwelgt in Nostalgie und leidet fröhlich unter der technologischen Unterversorgung durch die Kommunikationsgiganten (wie viel Geld haben die noch gleich für die UMTS-Frequenzen rausgeworfen? Nur damit gerade mal das Einchecken über foursquare funktioniert?).
So nimmt es nicht Wunder, dass der Netizen in mir eine bissige Anamnese der Inkongruenz zwischen den Wahnvorstellungen des Marketing und der tristen Wahrheit des mobilen Zeitalters erwartet. Was stattdessen kommt, lässt mich ratlos zurück: ein Vortrag zu Design Thinking! „Design ist zu wichtig, um es Designern zu überlassen“, sagt der vortragende Designer. Das hat die Wucht und Präzision, als würde Sigmar Gabriel sagen, Politik sei zu wichtig, um sie Politikern zu überlassen. Oder unser Sonnensystem sei zu wichtig, um es der Sonne zu überlassen. Das könnte George W. Bush gesagt haben. Weiß ich aber nicht genau. Ist auch egal.
Inwiefern kann das aber Motto einer Veranstaltung wie dieser sein? Ach so – der kluge Designer holt sich Meinungen von Leuten ein, die sein Designtes später verwenden müssen. So wie ein Möbeltischler des 16. Jahrhunderts. Zeit wird’s. Später wird das Ganze noch im Quatsch Comedy Club vertieft, in einem Workshop, der keinen würdigeren Ausrichtungsort hätte wählen können. Dort erfährt man dann, dass man durch gezielte Datenerhebung sogar gleich noch herausbekommt, was man wem als nächstes designen könnte. Dabei geht es weniger darum, was jemand braucht, sondern wie man ihm dabei helfen könnte, die Bedeutungslosigkeit seiner Existenz mangels Zeit nicht reflektieren zu müssen. Leider kommt niemand auf die Idee, mir ein Fliwatüt oder einen Materietransporter zu designen (#fail).
Zwischendurch ist dann noch ein Interessantes Phänomen zu beobachten: da hat sich doch tatsächlich ein Unternehmer eingeschlichen, in Person des Chefs eines alternativen Energieversorgers (#lichtblick), der es wagt, das Publikum mit Berichten aus seinem Unternehmen und wie es versucht, die von der Bohème vor Jahren entwickelte und seitdem verinnerlichte 2.0-Kultur zu leben, zu belästigen. Vielleicht ist es einfach keine gute Idee, einer Community ganz selbstbewusst ihre Philosophie erklären zu wollen, vielleicht glaubt man auf dieser Veranstaltung dem Unternehmer aus Prinzip nix, schon gar nichts Innovatives, aber dennoch beschleicht auch mich ein eigenartiges Gefühl der Dissonanz zwischen „er hat ja Recht“ und „warum erzählt er das… hier“, obwohl ich das Konzept vom (schwarm-)intelligenten Powergrid nicht nur interessant, sondern für unsere Gesellschaft überlebensnotwendig finde.
Wahrscheinlich rührt das Unbehagen daher, dass man hier Chamäleon-haft mit der einen umgebenden Masse verschmilzt und die Schwarmattidüde übernimmt. Wenn jetzt noch jeder das eine oder andere Implantat bekommt werden wir wie die Borg, nur cooler, weil wir keine Queen haben.
Dafür haben wir, wie bereits angedeutet, einen König. Den erkennt man daran, dass er eine Krone trägt (eine rote) und seine Kutsche direkt vor dem Palast abstellen darf. Und dass ganz viele Leute um ihn herumstehen. König Sascha ist gut zu seinen Untertanen und interessiert sich ganz in der Tradition anderer aufgeklärter Potentaten für die Wissenschaft. Sein Gebiet der Expertise ist dabei die Trollforschung und er lässt es sich nicht nehmen, das Auditorium mit den neuesten Erkenntnissen zu unterhalten. Mühelos schlägt er die Brücke zwischen scheinbar unaufgeklärtem Forschungsgebiet und Anwendbarkeit auf den Lebenshorizont seiner Untertanen. Doch leider schließt sich auch hier der Kreis nicht, von dem bereits morgens unklar war, wo er beginnt. Keine Perspektive, keine Vision, keine Relevanz für die öffentliche Sache (res publica, meine sehr verehrten Damen und Herren). Der Prince of Wales versucht wenigstens, seine Aufmerksamkeit einem gesellschaftlich relevanten Thema zu widmen, um die Zeit bis zu seiner Regentschaft sinnvoll zu überbrücken, aber vielleicht klappt’s bei ihm deswegen auch nicht.
Nach einem leckeren Falafel auf die Hand und etwas geselligen Beisammensein im Keller der Kalkscheune, endet der Tag wo er begonnen hat: im Bett, wiewohl in einem fremden, von freundlichen Spaniern, die in Berlin 5*-Hotel üben, bereitgestellten. Während das überreizte Bewusstsein allmählich gen Schlummerland dämmert, rekapitulieren die Medienfröschlein im Nachtmagazin den ersten Tag dieser Veranstaltung und bleiben ihrer Linie treu: König Sascha hält Hof und sein Gefolge schart sich bereitwillig um ihn.
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