Weiterhin keine Gleichstellung beim Erbrecht
Die Grünen wollten mit einem Änderungsantrag zum "Wachstumsbeschleunigungsgesetz" erreichen, dass die Homo-Ehe im Erbschaftssteuerrecht gleichgestellt wird. Die Regierung stimmt dagegen.
Ist das ein Akt von Diskriminierung oder simple Parteipolitik? Die Regierungskoalition aus CDU/CSU und FDP hat am Freitag im Bundestag einen Änderungsantrag der Grünen zum "Wachstumsbeschleunigungsgesetz" abgelehnt, der eine Gleichstellung von Lebenspartnern im Erbschaftssteuerrecht mit Eheleuten vorsah.
"Gleich bei der ersten Nagelprobe für die Rechte von gleichgeschlechtlichen Paaren hat Schwarz-gelb versagt", kritisiert Volker Beck, Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen im Bundestag. Obwohl die neue Regierung im Koalitionsvertrag eine Gleichstellung versprochen habe und eine entsprechende Regelung nach dem letzten Urteil des Bundesverfassungsgerichts geboten wäre, sehe die Wirklichkeit anders aus.
"Schwarz-gelb hat heute dafür gestimmt, die verfassungswidrige Ungleichbehandlung von Lesben und Schwulen im Erbschaftsteuerrecht auf unbestimmte Zeit fortbestehen zu lassen", so Beck. "Das ist ein Armutszeugnis für die angebliche Bürgerrechtspartei FDP."
via queer.de
Mode im Holocaust-Denkmal
In der November-Ausgabe des Easyjet-Boardmagazins waren Modeaufnahmen im Lea Rosh-Holocaust-Mahnmal zu sehen. Die Berliner Stiftung fordert Aufklärung, die Fluggesellschaft entschuldigte sich. Auch in Israel hat der Vorfall Interesse erregt.
Die Stiftung für das Berliner Holocaust-Mahnmal will die Fluggesellschaft Easyjet um Aufklärung über Modeaufnahmen im Stelenfeld des Denkmals ersuchen. Für die in der November-Ausgabe des Easyjet-Bordmagazins veröffentlichten Aufnahmen habe die Stiftung keine Genehmigung erteilt, erklärte deren Direktor Uwe Neumärker am Montag in Berlin.
Tja...soetwas passiert, wenn man ein "Denkmal" (man lasse sich das Wort mal auf der Zunge zergehen) irgendwo hin pflanzt, wo es keinen optischen und inhaltlichen Bezug zum Thema erkennen lässt.
Der Versuch, der Monstrosität der begangenen Verbrechen durch "räumliche Größe" statt durch "inhaltliche Dichte" (wie sie z.B. in der, von Betonstelen erschlagenen, unterirdischen Gedenkstätte erlebbar ist) gerecht zu werden - ist in allem misslungen.
Es ist erstickend mit welcher Maßlosigkeit die Gedenkkeule geschwungen wird wenn mal jemand nicht schnell genug schaltet. Das vielleicht keine Drehgenehmigung gegeben wurde sehe ich ein und halte ich für einen gerechtfertigten Grund zur Kritik aber alles darüber hinaus ist doch überzogen.
Man soll sich nur mal umschauen wie viele Leute sich mit breitem Grinsen im und um das Mahnmal ablichten lassen, das Objekt verfehlt seinen Zweck oder das sind alles böswillige Antisemtiten.
Würdiges Gedenken an unvorstellbares Leid adäquat umgesetzt gibt es im Zentrum Berlins leider nur "unter der Erde"
Wer das Bedürfnis hat zu gedenken: Gleis 17, ist aber nur etwas für starke Nerven. Gehört übrigens zum Pflichtprogramm aller israelischer Reisegruppen.
Katholische Kirche erpresst Stadtrat von Washington
WASHINGTON, D.C., USA. Die katholische Kirche setzt D.C. ein Ultimatum und nennt die Gesetzesvorlage für gleichgeschlechtliche Ehe eine Bedrohung für Verträge über soziale Dienste.

Donald W. Wuerl Erzbischof von Washington.
Die katholische Erzdiözese in Washington sagte am Mittwoch, sie sei nicht in der Lage, die sozialen Dienstleistungsprogramme fortzuführen, die sie für den Distrikt betreibt, wenn die Stadt nicht ein geplantes Gesetz zur gleichgeschlechtlichen Ehe ändere – eine Drohung, die Zehntausende Menschen betreffen könnte, denen die Kirche mit Adoption, Obdachlosigkeit und Gesundheitsversorgung hilft.
Nach der Gesetzesvorlage, über die im kommenden Monat im Stadtrat von D.C. abgestimmt werden soll, würde von religiösen Organisationen nicht verlangt, dass sie gleichgeschlechtliche Ehen durchführen oder dafür Raum zur Verfügung stellen. Aber sie müssten die kommunalen Gesetze befolgen, die die Diskriminierung gegenüber schwulen Männern und lesbischen Frauen verbieten. (...)
„Wenn die Stadt das verlangt, können wir das nicht tun“, sagte Susan Gibbs, Sprecherin der Erzdiözese am Mittwoch. „Die Stadt sagt, um soziale Dienste anzubieten, müsst ihr säkular sein. Für uns ist das wirklich ein Problem.“
Mehrere Stadtratsmitglieder von D.C. meinten, die katholische Kirche versuche, die schon lange bestehenden kommunalen Gesetze auszuhöhlen, die homosexuelle Männer und Frauen vor Diskriminierung schützen. (...)
Der Einfluss der Kirche scheint begrenzt. In getrennten Interviews gaben verschiedene Stadtratsmitglieder an, die Kirche verhalte sich „ein wenig kindisch“ oder ein anderer sagte, er würde eher die Beziehung zwischen der Stadt und der Kirche beenden als deren Forderungen nachzugeben. (...)
via hpd
Sexueller Missbrauch: Täter geköpft und gekreuzigt
Levy Rubinstein schreibt auf netplosiv.org:
Ein Mann (22) hat in Saudi Arabien vier kleine Jungen sexuell missbraucht. Jetzt wurde er für seine Tat geköpft und dann gekreuzigt. Eines seiner Opfer, einen dreijährigen Jungen, hatte der Täter anschließend in der Wüste ausgesetzt, wo das Kind qualvoll verdurstete.
Ein Berufungsgericht in Saudi-Arabien entschied nun, dass die kopflose Leiche des Mannes nach der Hinrichtung „zur Abschreckung“ ans Kreuz genagelt und zur Schau gestellt werden soll.
Wie die saudische Zeitung „Okaz“ am Dienstag berichtete, hatte die Polizei den Täter im vergangenen Winter geschnappt, nachdem dieser in der Provinz Hail erfolglos versucht hatte, einen siebenjährigen Jungen zu verschleppen. Der Junge konnte den Kinderschänder identifizieren.
In Saudi-Arabien urteilen Richter auf der Grundlage einer besonders konservativen Auslegung des islamischen Rechts, die auf den Religionsgelehrten Mohammed Ibn Abdulwahab zurück geht.
Da sollte man sich inErinnerung rufen wenn man mal wieder einen tollen Bericht über das "fortschrittliche" Emirat sieht!
Fossil Norbert Geis lästert bei Maischberger
Dennis Klein schreibt bei queer.de
Der CSU-Politiker Norbert Geis wollte in der ARD-Sendung "Menschen bei Maischberger" den Vormarsch von Homo-Rechten stoppen – dabei wirkte er wie Kapitän Ahab auf der Jagd nach Moby Dick.

- Norbert Geis
Der Aschaffenburger Politiker Norbert Geis ist in Deutschland der lautstärkste Bundestagsabgeordnete im Kampf gegen Homo-Rechte. Homosexualität bezeichnet er als "Fehlentwicklung", die nicht staatlicherseits sanktioniert werden darf. So war er lautstärkster Gegner des Lebenspartnerschaftsgesetzes. Volker Beck warf Geis sogar "totalitäre Anwandlungen" vor, weil der grüne Fraktionsgeschäftsführer einen Kongress in Marburg kritisiert hatte, der die "Heilung" von Schwulen propagiert (queer.de berichtete). Dieser Mann war nun am Dienstagabend zu Gast in Sandra Maischbergers Talkshow, die unter dem Titel stand: "Schwule und Lesben an die Macht".
Geis hatte hier die Rolle des kränkelnden Mahners, der die anderen Teilnehmer von seinem Lebensmodell – es lautet: Heirate eine Frau und kriege Kinder – überzeugen wollte. Dass er damit bei Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit und der Kabarettistin Maren Kroymann auf taube Ohren stößt, stört ihn nicht. Auch die Erfahrungen von zwei Homo-Paaren, die ebenfalls in der Sendung zu Gast waren, weist er zurück – und spricht den Gästen sogar das Recht ab, eine Familie zu sein...weiterlesen bei queer.de
Verhöhnung von Österreichs Lesben und Schwulen

Justizministerin Claudia Bandion-Ortner (ÖVP)
Das von der konservativen Volkspartei geführte österreichische Justizministerium hat einen Gesetzentwurf für die Eingetragenen Partnerschaften festgelegt, der weit hinter den Erwartungen zurückbliebt.
Justizministerin Claudia Bandion-Ortner (ÖVP) will Homo-Paaren demnach das Standesamt verwehrt; Verpartnerungen sollen stattdessen bei Verwaltungen wie Bezirkshauptmannschaften geschlossen werden, in denen sich auch das Sozialamt oder die Forstverwaltung befindet. Die ÖVP, der Juniorpartner in einer Großen Koalition mit der SPÖ, will damit den Abstand der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft vor der (heterosexuellen) Ehe zementieren. Die Sozialdemokraten befürworten dagegen eine weitergehende Gleichstellung.
Die oppositionellen Grünen kritisieren den Gesetzentwurf als "weitere Verhöhnung von Österreichs Lesben und Schwulen". Die ÖVP sei offenbar weiter auf "Apartheid-Kurs", kritisiert Ulrike Lunacek, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Ökopartei im Nationalrat. "ÖVP-Chef Pröll betreibt ein böses Spiel mit Österreichs gleichgeschlechtlich liebenden Menschen: Zuerst versprach er vor zwei Jahren als Vorsitzender der parteiinternen Perspektivengruppe das Schweizer Modell und machte damit der lesbischwulen Bevölkerung Hoffnungen: Das Schweizer Gesetz entspricht in so gut wie allen Passagen - mit Ausnahme der Adoption - der Ehe", so Lunacek.
Komplett abgelehnt wird jegliche Form der Homo-Ehe von der größten Oppositionspartei, der rechtspopulistischen FPÖ. Oppositionsführer Heinz-Christian Strache erklärte, Sonderstellung der Ehe zwischen Mann und Frau resultiere daraus, dass daraus Kinder hervorgehen könnten. Der Entwurf beweise, dass die ÖVP "keine Familienpartei" mehr sei.
der ganze Artikel bei queer.de
Schwarz-Gelb geht gegen Antidiskriminierungsgesetze vor
im Blog Samstag ist ein guter Tag gefunden:
Im Entwurf des Koalitionsvertrages von CDU/CSU und FDP nimmt man im Kapitel „Bürokratieabbau“ das von beiden Parteien ungeliebte Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) ins Visier.
„Das geltende AGG werden wir im Hinblick auf einen möglichen Abbau von Bürokratielasten überprüfen. / Wir setzen uns aktiv gegen alle Formen von Diskriminierung ein. Den ungeeigneten Entwurf der Europäischen Kommission zur 5. Antidiskriminierungsrichtlinie lehnen wir allerdings ab.“
Zur Erinnerung: Dass Deutschland überhaupt ein Antidiskriminierungsgesetz besitzt, ist der EU zu verdanken. Die schwarz-rote Regierung hatte es 2006 letztlich nur verabschiedet, um...weiteresen bei Samstag ist ein guter Tag
Zensursula: Münchhausen ist eine Frau
soziolot.de schreibt:
Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik hat eine Petition so viele Anhänger gehabt wie die gegen Internetsperren: 134.014 Bundesbürger schlossen sich gegen den Gesetzentwurf von Bundesfamilienministerin Zensursula von der Leyen unter dem Fadenschein der Bekämpfung von Kinderpornographie zusammen.
Trotz des breiten Protests verabschiedete der Deutsche Bundestag mit den Stimmen der Großen Koalition Zensursula. Zensursula hat nicht nur viele Schwächen, sondern ist darüber hinaus grundrechtlich fragwürdig und wurde in extrem populistischer Weise argumentiert.
Markus Beckedahl geht bei netzpolitik.org sogar so weit zu behaupten, das Gesetz basiere auf einer Lüge. Die Unzulänglichkeiten von Zensursula haben nicht nur in Form der Petition eine öffentliche Reaktion erfahren. Neben zahlreichen Blog-Einträgen - unter anderem hier, hier, hier und hier - dem flotten Song “Zensursula” gab es auch außerhalb des Internets öffentliche Proteste, was übrigens wieder im Internet dokumentiert wurde (auch hier). In der SPD gibt es weiterhin eine rege Diskussion über Sinn und Unsinn des Gesetzes, das sogar den Austritt einiger Mitglieder zur Folge hat, unter anderem vom Bundestagsabgeordneten Jörg Tauss, der sich der Piratenpartei anschließen will. Thomas Knüwer spricht in seinem Blog gar von einer Politisierung des Internets.
..weiterlesen bei soziolot.de
Guido Westerwelle, Bundesminister des Auswärtigen
Steven Milverton schreibt in seinem Blog TheGayDissenter:
Man muss Guido Westerwelle nicht mögen, man muss die FDP nicht mögen. Die FDP ist in meinen Augen nach wie vor eine opportunistische Umfallerpartei, in der sich Straftäter wie Graf Lamsdorff und Möllemann nur allzu wohl fühl(t)en. Die Flick-Affäre ist viel zu schnell in Vergessenheit geraten. Dass die FDP neuerdings auf schwulenfreundlich macht, ändert nichts daran, dass sie mit Thomas Dehler einen der größten Schwulenhasser der Nachkriegszeit, dessen bürokratischer Schwulenverfolgungsperfektionismus dem der Nazis nicht nachstand und der sogar eine Verschärfung der Antischwulengesetze aus der Nazi-Zeit betrieb, in ihren Mitgliederlisten verzeichnet hatte und ihm als Bundesminster der Justiz die Möglichkeit bot, unzählige schwule Männer vor Gericht und ins Gefängnis zu bringen.
Guido Westerwelle ist nicht nur nicht ‘mein Typ’, ich mag sein hysterisch-schrilles Lautes nicht, ich teile auch seine politischen Ansichten zu einem erheblichen Teil nicht. Ob er ein guter Außenminister sein wird, weiß ich nicht. Ein Blick in die Liste der bisherigen Minister des Auswärtigen der Bundesrepublik Deutschland zeigt allerdings, dass er sich schon mächtig anstrengen muss, um es schlechter zu machen als Steinmeier, Kinkel, Adenauer oder Fischer.
Es gibt aber auch einen anderen Gesichtspunkt, der bei aller Vorschusskritik nicht unbedacht bleiben sollte:
...weiterlesen bei TheGayDissenter
Ebenfalls lesenswert
Sandwich: Westerwelles Stellung zwischen Merkel und Guttenberg via soziolot.de
Alkohol und Nikotin sind gefährlicher als LSD, Ecstasy oder Cannabis
Der Drogenbeauftragte der britischen Regierung kritisiert die "künstliche" Aufteilung von erlaubten und verbotenen Drogen
Der Drogenbeauftragte der britischen Regierung, Professor David Nutt, kritisiert die im letzten Jahr von der damaligen Innenministerin Jacqui Smith getroffene Entscheidung, Cannabis nach dem Drogenmissbrauchsgesetz von 1971 in die Drogenklasse B einzuordnen. Damit gilt die Droge als gefährlich und wird strafrechtlich ähnlich behandelt wie der illegale Besitz von Amphetaminen oder Ritalin (bis zu 5 Jahre Gefängnis) oder der Handeln mit diesen Stoffen (bis zu 14 Jahren).
Nutt ist der Meinung, dass Cannabis ebenso wie Ecstasy oder LSD weniger gefährlich seien wie Alkohol und Zigaretten. Ecstasy und LSD sind in der Drogenklasse A. Hier werden auch Heroin, Kokain, Crack, halluzinogene Pilze, Metylamphetamin und Amphetamine eingeordnet, die gespritzt werden. Für den Handel ist die Höchststrafe lebenslänglich Gefängnis.
Nutt schreibt in einem Paper als Grundlage eines Vortrags im Centre for Crime and Justice Studies am King's College, dass es nicht wirklich nachvollziehbar ist, warum die einen Drogen verboten sind und andere, sehr gefährliche Drogen wie Alkohol oder Zigaretten nicht unter das Drogengesetz fallen, sondern nur wie Lebensmittel und mit einer Altersgrenze reguliert würden.
Kaffee sei eine der am weitesten verbreiteten Drogen. Khat werde auch in Großbritannien von Migranten gekaut. Sowohl Kaffee als auch Khat könnten weigehend unreguliert vertrieben werden. Die Unterscheidung etwa zwischen Alkohol oder Nikotin von anderen Drogen, die verboten sind, sei "künstlich".
weiter bei telepolis.de
UPDATE 31.10.09:
Einen Tag, nachdem der britische Drogenbeauftragte auf die "künstliche" Unterscheidung zwischen legalen und illegalen Drogen hingewiesen hatte, wurde er vom Innenministerium seines Amtes enthoben.
Blindflug in den Schuldenstaat
geschrieben am 26. Oktober 2009 von Spiegelfechter
Fahren auf Sicht: Union und FDP räumen endlich mit dem Vorurteil auf, bürgerliche Parteien könnten besser mit den Staatsfinanzen umgehen
Vor gerade mal einem halben Jahr tönte die FDP noch munter, sie wolle eine Nettoneuverschuldung der öffentlichen Haushalte per Grundgesetz verbieten lassen. Doch vor einem halben Jahr befand sich Deutschland auch noch im Wahlkampf und was schert einen Politiker sein Geschwätz von gestern, wenn die Kreuze gemacht und die Urnen geleert sind? An diesem Wochenende unterzeichnete die FDP einen Koalitionsvertrag, der bereits im nächsten Jahr eine Rekordneuverschuldung von bis zu 90 Milliarden Euro mit sich bringen wird. Damit wird Berlin auch im nächsten Jahr die Stabilitätskriterien der Maastricht-Verträge mit Pauken und Trompeten verfehlen. Wie Schwarz-Gelb unter diesen stockdüsteren Rahmenbedingungen den für 2011 angekündigten Umbau des Steuersystems verwirklichen will, der alle Einkommensgruppen durch die Bank weg entlasten soll, bleibt dabei ein offenes Geheimnis.
Weiter auf freitag.de
Websperren: Internetpolitik von Gestern
Die Entrüstung über "das Böse im Internet" erhellt die Abgehobenheit eines Teils der deutschen politischen Elite von der Wirklichkeit im Informationszeitalter
Das Gute an der zuweilen skurrilen Debatte um Internetsperren in Deutschland ist, dass sich damit ein zu lange brachliegendes Thema langsam den Weg in eine breitere Öffentlichkeit bahnt. Das im letzten Jahr ausgebrochene Entsetzen über die "bösen Inhalte" im Internet ist insofern entlarvend, weil es dokumentiert, dass deutsche Politik und deutsche Öffentlichkeit eine bereits seit mehr als einem Jahrzehnt laufende internationale Debatte weitgehend verschlafen haben.
Es ist nicht das Internet, das "das Böse" in die Gesellschaft bringt, sondern es ist "das Böse in der Gesellschaft", das sich nun auch den Weg ins Internet bahnt. Als das Internet vor 20 Jahren gerade mal von einer Millionen "Netizens" bevölkert war, gab es eine "Netiquette", die von allen befolgt wurde. Als freier und verantwortungsbewusster "User" wusste man sehr wohl, dass es auch im Internet allgemeine Benimmregeln gibt. Jetzt aber haben wir fast 1.7 Milliarden Internetnutzer. Kann es da verblüffen, dass auch Kriminelle, Hassprediger, Kinderschänder und Vandalen den Cyberspace nutzen?
Das Übel liegt also mehr in der Gesellschaft als im Internet. Und Politik wäre gut beraten, wenn sie sich primär um Verbrecher und Verbrechen kümmert und nicht um die Reglementierung von Internetnutzern. Ein wesentliches Problem liegt doch darin, dass Kriminelle sich die technischen Möglichkeiten des globalen Internet - jeder kann mit jedem zu jeder Zeit an jedem Ort kommunizieren - schon längst zu eigen gemacht haben, während Politik und Strafverfolgung in den nationalen Begrenzungen von gestern stecken geblieben sind. [weiterlesen bei telepolis]
Entscheidung über Verbot von schwulem Sex in Indien
Der oberste Gerichtshof in Neu-Dehli berät zur Zeit über eine Petition gegen das Verbot von schwulem Sex durch "Section 377". Die Regelung stammt aus den Zeiten englischer Kolonialherrschaft um 1860 und ist seitdem in Kraft.
Massachusetts: Referendum über homofeindliches "Rassengesetz"
Gegner der Homo-Ehe wollen im US-Bundesstaat Massachusetts mit einem Referendum ein Gesetz wiederbeleben, das einst interrasssische Ehen beschränkte und nun gleichgeschlechtliche Eheschließungen behindern soll...weiter bei [Queer.de]
Verbote liegen im Trend
Lorenz Maroldt über das Berliner Bürgergängeln
Berlin - Die Berliner Gesundheitssenatorin ist ganz doll zufrieden, und die Drogenbeauftragte des Senats bestätigt: "Das Rauchverbot liegt im Trend": Von heute an wird das Nichtraucherschutzgesetz, das in allen Gaststätten außerhalb abgeschotteter Zellen seit einem halben Jahr gilt, auch noch sanktioniert: Bis zu 100 Euro kostet das den erwischten Raucher, bis zu 1000 Euro den erwischten Gastwirt. Bereits ein stehen gelassener Aschenbecher auf dem Kneipentisch gilt als Beweis.
Doch diesmal haben sich die Bürokraten selbst ein Loch in die Akten gebrannt. Gerade mal die Hälfte der vom Senat zugesagten 88 Kontrolleure treten ihren Dienst in den Bezirken an. So veranstaltet Charlottenburg-Wilmersdorf vorsichtshalber erstmal Testwochen mit drei Leuten für 1800 Gaststätten, in Friedrichshain-Kreuzberg soll das "Interventionsteam Jugendschutz" mit vier Leuten über 4000 Restaurants, Kneipen und Bars wachen, in Mitte und Pankow zieht die Raucherwehr überhaupt nur bei Beschwerden los und in Neukölln und Spandau erstmal gar nicht. Gleichzeitig am Personal sparen und mehr einnehmen wollen geht eben schlecht.
Bei der Umweltzone hat die Abzocke dagegen prima geklappt, da konnten die Plakettenfetischisten in der Verwaltung engagiert ihr Hobby pflegen. 14.000 Verfahren wurden seit Februar eingeleitet, zumeist gegen ahnungslose Touristen. In Hannover, das auch eine Umweltzone hat, waren es im selben Zeitraum gerade mal 40. Ist Berlin etwa 350 mal größer als Hannover?
Ja, die Drogenbeauftragte hat schon recht: Verbote liegen beim Senat so sehr im Trend, dass die eifrigen Ordnungsämter kaum noch hinterher kommen. Das Bürgergängeln ist ganz groß in Mode. Deutlich weniger geraucht wurde übrigens auch schon vor dem Verbot. Das ist der wahre Trend. Fast überall haben sich Wirte und Gäste darauf eingestellt, eine optimale Situation: In den meisten Läden wird nicht mehr geraucht, wer es dennoch will, weiß aber auch, wo es noch geht. Doch jetzt schlägt die Stunde der Denunzianten. Von den 4000 Gaststätten in Friedrichshain-Kreuzberg wurden schon 200 als auffällig gemeldet. Die bekommen demnächst Besuch und werden abkassiert, selbst wenn niemand dort, weder die rauchenden Gäste, noch die rauchende Bedienung, etwas gegen den Qualm einzuwenden hat.
Immerhin: Es ist hier noch nicht so absurd wie in Holland, wo ebenfalls seit heute das Rauchverbot gilt - sogar in den berühmten Coffeeshops, in denen auch weiterhin Marihuana geraucht werden darf. Aber womit? Die ersten experimentieren bereits mit Huflattich, hm… Ach, da würde man doch zu gerne mal eine Kontrolle sehen: Bitte wickeln Sie Ihren Joint aus, wir wollen überprüfen, ob sie verbotenen Tabak darunter gemischt haben!
Hierzulande müssen wir uns vorerst darauf beschränken, zwei Damen vom Amt dabei zuzusehen, wie sie in einer vollgequalmten Weddinger Eckkneipe mit einem durchschnittlichen Alkoholpegel von 2,5 Promille für Ordnung sorgen wollen. Das gibt wirklich dicke Luft! Eine erheiternde Vorstellung. Da muss man zum Lachen nicht mal kiffen.
Erschienen am 1. Juli 08 im Tagesspiegel

























